Der SEagent

Schulentwicklung – Bildung – Organisation

How To Avoid Epic Facepalms in the Future

Cyberman saying: Everything is Cyber if Analog vs Digital

Text für Netzpolitiker*innen und andere Wesen mit Tech- bzw. Chaoshintergrund

Habt ihr manchmal auch das Gefühl, dass das doch alles gar nicht wahr sein kann? Seid ihr bass erstaunt, über die Reaktionen von Ministerien und Verwaltungen? Darüber, was sie glauben, tun zu müssen, wenn sie eure Argumente hören? Dabei habt ihr ihnen doch bereits gesagt, dass das so nicht geht, dass man das so nicht machen kann?

Ich möchte euch an dieser Stelle eine Erklärung für dieses Problem liefern und anschließend zeigen, wie es sich vielleicht aushebeln lässt.

Das Kernproblem ist imho, dass Empfängern eurer Botschaften regelmäßig die Realität abhanden kommt. Denn sie wurden gecybert. Und zwar passiert das immer dann, wenn von „digital“ die Rede ist. Ihr meint damit zwar reale Zusammenhänge, sie hören aber dann immer Cyberspace und der ist ja bekanntlich nicht in der Realität. So ein paar Onlinedurchsuchungen sind in diesem Denken quasi nicht zu vergleichen, mit einer Razzia oder einer Leibesvisitation. Das ist ja nur „digital“ und nicht echt. Sie hängen einem falschen Dualismus an, der übersieht, dass die Unterscheidung „analog“/„digital“ einheitlich eine rein technische ist. Aus analogen Artefakten werden Digitalisate gebildet, damit sie von Computern verarbeitet werden können. Die Erfindung des Computers ist von der Größenordnung vergleichbar mit der Erfindung der Schrift oder der Druckerpresse. Das sehen sie nicht, das können sie nicht sehen, weil es ihnen niemand erklärt und sie gerne weiter sagen wollen, „das ist ja nicht so echt“.

Und jetzt kommt der große Clou: Eure Botschaften haben dann eine größere Chance darauf verstanden zu werden, wenn ihr sie innerhalb eines Rahmens erklärt, der dem oben angedeuteten Paradigmenwechsel gerecht wird. Dieses neue Paradigma ist die „Kultur der Digitalität“ (Felix Stalder).

In ihr lässt sich beispielsweise das Smartphone als Kulturzugangsgerät (Lisa Rosa) beschreiben, oder auch als privatestes Refugium, dass staatlichem Zugriff mindestens so verwehrt werden muss, wie die Wohnung.

Dabei ist es besonders wichtig zu betonen, wie tiefgreifend dieser Paradigmenwechsel, in Folge eines Leitmedienwechsels (Beat Döbeli) ist. Die Phrase mit dem Scheissprozess setze ich mal als bekannt voraus. Ich denke nur, man muss sie anders fassen: Wenn man einen Prozess aus der Prädigitalitätszeit nimmt und ihn digitalisiert, erhält man einen digitalen Prädigitalitätsprozess. Was man nicht erhält, ist ein Prozess, der den kulturellen Bedingungen der Kultur der Digitalität gerecht wird.

Bsp.: Gruppenkommunikation per E-Mail mit ganz vielen Aw: Re: usw. Versus verschlüsselte Gruppenkommunikation per Messenger.

Insgesamt: Redet mehr über Digitalität. Denn das Reden über „digital“ und „analog“, das auch in „Digitalisierung“ steckt, verstellt den Blick auf Digitalität. Und ich habe echt kein Bock mehr auf noch mehr schlechte PDF-isierung.

Don’t be a cyberman.

Gesendet aus der Schul-/Bildungswelt.

Danke falls ihr es bis hierhin geschafft habt. Ihr findet mich auf Mastodon als @GratianRiter@bildung.social.

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